Der Naturgarten

Der Naturgarten bietet nicht nur Lebensraum für viele Tiere wie Vögel, Igel oder

Schmetterlinge, er überzeugt auch mit der Schönheit der heimischen Pflanzenwelt.

 

Lebensraum für Flora und Fauna

Viele Menschen träumen von einem Häuschen mit Garten, in dem sich bunte

Blumen im Wind wiegen und die Vögel zwitschern. Doch die Wahrheit sieht

oft anders aus: kurz geschorener Rasen, Waschbetonplatten und geradlinige

Hecken prägen das Bild. Aus Sicht der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt

sind derartige Gärten als „ökologische Wüste“ zu bezeichnen. Auch für den

Menschen stellen sie keinen „artgerechten“ Lebensraum dar, in dem er sich

gebührend von einer zunehmend technisierten Welt erholen kann. Wer seinen

Garten naturnah gestaltet, kann sich ein Stück unbeschwerte Kindheits-

erinnerung zurückholen. Aber Naturgärten stellen nicht nur für den Menschen

eine wichtige Rückzugsmöglichkeit dar: auch stark gefährdete Flora und Fauna

finden im Naturgarten einen Lebensraum. Die rund 17 Millionen Gärten in

Deutschland entsprechen etwa der Fläche aller ausgewiesenen Naturschutzgebiete.

Das zeigt, wie groß doch die Bedeutung der Privatgärten ist.

Im Naturgarten haben heimischen Pflanzen in jedem Fall Vorrang vor

fremdländischen Exoten. Erstere sind auch weniger anfällig für Schädlinge oder

Krankheiten, weil sie sich den hiesigen Bedingungen angepasst haben.

Dafür müssen sie aber am richtigen Standort wachsen, denn feuchtigkeitsliebende

Pflanzen wie zum Beispiel Gelbe Taglilie oder Schachbrettblumen verkümmern auf

zu trockenem Sandboden. Nicht selten greift man hier dann aus Unwissenheit zu

chemischen „Waffen“.

 

Unsere heimischen Wildpflanzen sind Teil eines ausgeklügelten Ökosystems.

Sie dienen vor allem zahlreichen Insekten und Vögeln als Nahrungsquelle.

Wer sich zum Beispiel für einen heimischen Wacholder anstelle eines chinesischen

entscheidet, deckt 43 Vogelarten den Tisch anstelle von einer. Auch die Vogelbeere

ist unübertroffen: der schlanke „Wildling“ ernährt 63 Vogelarten.

Die Schmetterlingsraupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral benötigen

sogar exklusiv die Brennnessel als Futterpflanze. Es lohnt sich also auch so genannte

„Unkräuter“ in seinem Garten zu dulden.

Das Patentrezept für einen naturnahen Garten heißt demnach Vielfalt. In einer frei

wachsenden Hecke aus einheimischen Wildsträuchern oder einem Naturteich finden

zahlreiche Pflanzen und Tiere ihre ökologische Nische.

Die unterschiedlichsten Lebenräume entstehen auch, wenn man den bei Gartenarbeiten

anfallenden Erdaushub "gewinnbringend" auf dem Gelände einsetzt: indem man Hügel

und Täler formt, Böschungen anschüttet oder Höhenunterschiede mit Trockenmauern abfängt.

                                                 

                                                               

Unterschlupf für Tiere

Wer zu wenig Platz hat oder seinen Garten nicht gänzlich naturnah gestalten will,

kann schon mit kleinen Schritten einiges bewirken: einfach das Falllaub unter

Gehölzen liegenlassen. Es schützt nicht nur den Boden, sondern führt ihm

auch noch Nährstoffe zu und bietet vielen Kleintieren eine Rückzugsmöglichkeit.

Auch morsche Baumstümpfe und alte unbehandelte Holzpfähle sollten im Garten

geduldet werden. Unter ihnen tummeln sich zahlreiche holzbewohnende Käfer

und andere Insekten. In die Bohrlöcher der Käfer ziehen als Nachmieter Wildbienen

ein, die nicht nur von hoher Lebensraumqualität zeugen, sondern auch völlig harmlos

sind und nicht stechen. Man kann den seltenen Insekten auch helfen, indem man

Nisthilfen für sie kauft oder selbst herstellt. Einen geschützten Lebensraum bieten

 den Vogelarten oder Igeln auch locker aufgeschichtete Äste oder Reisighaufen vom

letzten Gehölzschnitt.

Natürliche Schädlingsbekämpfer

Igel vertilgen übrigens mit Vorliebe die bei Gärtnern gefürchteten Nacktschnecken.

Dies zeigt, dass in einem naturnahen Garten immer genügend natürliche Freßfeinde

vorhanden sind, die Schädlinge im Zaum halten. So stehen Blattläuse auf dem

Speiseplan von Marienkäfern und Florfliegenlarven. Vögel und Schlupfwespen

„vernaschen“ die gefräßigen Raupen.

Sogar der Maulwurf ist ein heimlicher Helfer. Er verzehrt nicht nur Larven,

sondern auch unbeliebte Würmer und Käfer. Die aufgeworfene Erde, die der

pelzige Mitbewohner im Garten verteilt, kann einfach zum Befüllen von

Blumentöpfen verwendet werden.

Mischkultur und Fruchtwechsel können Schädlingsbefall verhindern.

So kann man zum Beispiel Kohlweißlinge fernhalten, indem man Sellerie,

Tomaten oder stark duftende Kräuter wie Thymian und Salbei neben den

Kohl setzt. Wer die Pflanzen während der Flugzeit der Kohlweißlinge alle zwei

Tage mit einer Brühe aus Tomatenblättern besprüht, erhält zusätzlichen Schutz.

Dazu zwei Hände voll mit zwei bis drei Liter Wasser aufgießen und drei Stunden

lang ziehen lassen, abseihen und unverdünnt aufsprühen.

Sollte dennoch einmal eine Schädlingsart überhand nehmen, kommen

Naturgärtner auch ohne chemische Präparate aus. Nützlinge - im Fachhandel

erhältlich – können gezielt im Garten ausgebracht werden. Bleibt nur noch eine

Gefahr: die Hauskatze. Wer sie während der Brutzeit der Vögel nicht im Haus

einsperren will, kann Nester in Bäumen durch so genannte Katzengürtel

(z. B. von Schwegler) schützen.Diese werden am Stamm befestigt und versperren

die Katze dem Weg nach oben.

Ein weiteres effektives Mittel ist eine so genannte „Verpiss-Dich-Pflanze“  deren

Duft die Katzen fernhält.