Der Bauerngarten

Bauerngärten haben ein klares, einfaches Ordnungsprinzip, gepaart mit einer

Pflanzenpracht, die Nutzen und Zierde in schönster Harmonie vereint.

Im Bauerngarten wachsen Kräuter, Blumen und Gemüse einträchtig nebeneinander.

Aufgrund der Beeteinfassung - meist aus Buchs -, die die farbenprächtige Vielfalt im

Zaum hält, wirkt er aber niemals unruhig oder überladen. Eine sehr „lukrative“ und

attraktive Beeteinfassung ist auch die Ringelblume. Sie schneidet überall gut ab, egal

ob im Salat, zur Schädlingsabwehr, als Schnittblume, Tee oder Wundsalbe.

Im Gemüsegarten vertreibt sie außerdem schädliche Wurzelälchen (Nematoden).

 

 


Ausgeklügeltes Pflanzschema


Die Standortwahl innerhalb der Beete beruht auf einem jahrhundertealten

Erfahrungsschatz. Die Bäuerin wusste früher genau, dass die hoch wachsenden

Stockrosen ein idealer Hintergrund für niedrig wachsende Stauden und

Sommerblumen sind. Außerdem war ihr bekannt, dass Dill einen feuchten

Wurzelbereich schätzt. So war es praktisch, den Dill zwischen Gemüse zu

säen, wo die anderen Gewächse den Boden beschatten und ihn so

gleichmäßig feucht halten.

Besonders gut passen auch Möhren und Zwiebeln zusammen, weil sie sich

gegenseitig vor Schädlingen schützen. Andere Pflanzen wie zum Beispiel die

Pfingstrose oder das Tränende Herz sind weniger „gesellig“, ihre schönen

Blüten kommen am besten in Einzelstellung zur Geltung. Deshalb pflanzte die

Bäuerin sie kurzerhand fernab von allen anderen blühenden Pflanzen mit ins

Gemüsebeet. Mischkultur statt eintöniger Beete. Mit dieser praktischen

Pflanzenbenachbarung waren zeitraubende Pflegearbeiten passé.

Mischkultur heißt das Zauberwort. Und sie bringt eine Menge Vorteile mit sich:

Schädlinge können sich nicht mehr so schnell vermehren, da sie sich ihre

Futterpflanzen erst suchen müssen. Durch den Wechsel von Flachwurzlern

wie Spinat, Erbsen oder Kohlrabi und Tiefwurzlern wie Kohl und Sellerie werden

die Nährstoffe im Boden besser ausgenutzt. Meistens reicht es dann als

Düngemaßnahme aus, derartige Mischkulturen mit gut verrottetem Kompost zu düngen.

Am besten arbeitet man im Frühjahr eine 1-2 cm dicke Schicht in den Boden ein.

Ein Schuss Brennnessel-Jauche alle drei Wochen hilft zudem, auch die Pflanzen

mit großem Nährstoffhunger wie Tomaten oder Gurken zu „sättigen“.


Ordnungssinn im Garten

Praktische Überlegungen spielten im Bauerngarten schon immer

eine große Rolle. Schaut man sich alte Exemplare an, erkennt man,

dass die Beete oft streng geometrisch angelegt und gegliedert

 wurden. Ein Brunnen oder ein besonderer Strauch betonte die

Mitte des Gartens. Auch Wege wurden schnurgerade und funktional

angelegt. Dies ist zurückzuführen auf den Ordnungssinn der Bäuerin.

In erster Linie diente der Bauerngarten dazu, die Grundversorgung

der Familie sicherzustellen. Deshalb galt die meiste Aufmerksamkeit

den Nutzpflanzen. Aber auch Kräuter waren wegen ihrer Heil- und

Würzkraft sehr begehrt. Blumen hingegen wurden weniger wegen

ihrer Farbenpracht als vielmehr wegen ihrer Inhaltsstoffe gezogen.

Malven und Lilien waren zum Beispiel gern gesehene Gäste im

Bauerngarten: Malventee war ein altbewährtes Hausmittel bei Husten

und Heiserkeit. Lilienöl half bei Insektenstichen oder Brandwunden.


Harmonie mit der Umgebung

Bäuerinnen dachten schon immer wirtschaftlich. Diese Denkweise

 war auch für die Materialwahl im Garten ausschlaggebend.

 „Mutter Natur“ brachte alles mit sich, was nötig war: Holz aus

dem (meist) eigenen Wald für Zaun und Bänke, Rindenschnitzel

für weiche Wegeteppiche, Steine und Kies aus den Steinbrüchen

für Beläge. Diese natürlichen Materialien gingen eine harmonische

Verbindung mit den Gartengewächsen ein und sorgten gleichzeitig

dafür, dass sich der gesamte Garten vorzüglich in das Landschaftsbild

einpasste. Im Bauerngarten durfte nur bleiben, was sich bewährte.

Deshalb blieb er im Laufe der Jahrhunderte auch von modischen

Strömungen weitgehend verschont und verkörpert bis heute

ursprüngliches ländliches Gartenglück.